Therapie – Unsere Erfolgsmethode

Eine Heilung ist nur möglich, wenn die avitalen Knochenteile samt der daran haftenden Keime radikal chirurgisch entfernt werden. Nach einem solchen chirurgischem Débridement verbleibt klarerweise ein leerer Raum. Dieser sogenannte Totraum ("Dead Space") ist in mehrfacher Hinsicht eine Schwachstelle: zunächst einmal mechanisch, aber auch als Keimzelle für eine erneute Infektion. Er muss also gefüllt werden – aber womit? Jedes Material, das nicht durchblutet ist, wird sofort wieder von Bakterien besiedelt und unterhält damit die Infektion. Dies gilt auch für Knochentransplantate, die natürlich der beste Ersatz wären, da sie die Knochenstruktur wiederherstellen und sofortige mechanische Belastbarkeit gewähren können. Knochentransplantationen werden daher üblicherweise erst einige Wochen nach erfolgreichem Débridement durchgeführt, wenn alle Zeichen der Infektion verschwunden sind.

Wie wird es gemacht?

Das sogenannte Débridement wird genauso wie bisher gemäß den Regeln der septischen Chirurgie durchgeführt. Fremdmaterialien, abgestorbene Gewebeteile und infizierter Knochen mit schlechter Durchblutung werden radikal entfernt. Nach vollständigem Débridement reinigen wir die Stellen mit einer Hochdruck-Reinigungs-Lavage.

Grenzflächen zum vitalen Knochen werden mit einer Hochgeschwindigkeitsfräse angefrischt. In das derart gesäuberte Bett füllen wir die imprägnierten Knochentransplantate. Zumeist verwenden wir diese in Granulatform, denn man kann damit die ursprünglichen Strukturen sehr genau nachbilden. Aber auch vorgeformte komplette „Ersatzteile“ sind bei Bedarf verfügbar. Da die Transplantate über die folgenden Wochen hohe lokale Antibiotikaspiegel im Operationsgebiet sicherstellen, sind auch eine gleichzeitige Stabilisierung mit metallischen Implantaten oder eine Versorgung mit künstlichen Gelenken problemlos möglich.

Bei allen Versorgungen achten wir sehr genau auf die Wahl der verwendeten Materialien – Knochenzement wird jedenfalls vermieden. Nach vollständiger Rekonstruktion werden Drainagen (normalerweise für 2 bis 3 Tage) eingelegt und die Wunden sofort verschlossen. Alle Patienten werden sofort mobilisiert und entsprechend ihrer individuellen Verhältnisse physiotherapeutisch nachbehandelt. Teilbelastung ist fast immer sofort möglich, Vollbelastung in Abhängigkeit von Art und Größe des Eingriffs.

Mit welcher Substanz wird der frei werdende Knochenraum aufgefüllt?

Dr. Winkler hat in einer langen Reihe von Untersuchungen eine Methode gefunden, mit der man Knochengewebe mit hohen Dosen von Antibiotika imprägnieren kann. Es gibt zwei Möglichkeiten der antibiotischen Imprägnierung, die sich dabei als ideal erwiesen haben: Vancomycin („V“) und Tobramycin („T“).

  • Vancomycin wird für Infektionen mit grampositiven Bakterien verwendet (z.B. alle Arten von Staphylokokken, auch MRSA).
  • Tobramycin wird bei gramnegativen Erregern verwendet.

Dr. Winkler verwendet Knochen von Organspendern, sogenannter Allograft, der hoch gereinigt, von allen antigenen Bestandteilen befreit ist und daher vom Empfänger nicht abgestoßen wird. Da aber das „Gerüst" des Knochens, bestehend aus Kollagen und Mineralien, erhalten bleibt, besitzt er fast die gleiche Tragfähigkeit wie natürlicher Knochen und kann vom Körper zu lebendigem, eigenem Knochen umfunktioniert werden.

Unsere Methode bietet also zwei grundsätzliche Vorteile:

  1. Die erzielten Antibiotikumkonzentrationen sind bedeutend höher als bei allen anderen Methoden und liegen direkt am Ort des Infekts. Es ist damit erstmals auch die Eliminierung von Biofilm-Resten möglich.
  2. Da Spenderknochen verwendet wird, sind keine zusätzlichen Operationen am Patienten notwendig, um z.B. Antibiotikaketten zu entfernen oder patienteneigene Spongiosa zu gewinnen (z.B. aus dem Becken).

Oftmals ist die Osteomyelitis nicht das alleinige Problem, sondern es liegen auch Störungen der Bruchheilung oder sehr große Defekte vor. Bei instabilen Verhältnissen („Pseudarthrosen“) ist dank unserer Methode eine gleichzeitige Fixierung durch Implantation von Titanelementen möglich.

Literaturtipps

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